Am Ende des Menschseins?

30.03.2016

Am Ende des Menschseins?Im Domicilium in Weyarn beginnt am 22. April dieses Jahres eine 18-monatige multiprofessionelle Palliativ-Spirituelle Fortbildung für verschiedene Berufsgruppen, Ehrenamtliche, Angehörige und Interessierte. Anmeldungen sind noch möglich.

Über einen Zeitraum von 18 Monaten wird in acht Blöcken das Thema Palliative Sterbebegleitung aus den Blickwinkeln verschiedener Fachrichtungen von praxiserfahrenen Dozenten behandelt. Diese Palliativ-Spirituelle Fortbildung verbindet praktische Hospizerfahrung mit einem Herzensanliegen des gemeinnützigen Vereins Stiftung Domicilium, ein Sterben in Würde und Individualität zu ermöglichen. Das Besondere ist neben der Multiprofessionalität die intensive persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit, um aus dieser Erfahrung heraus individuell und mitfühlend handeln zu können. Eine Teilnehmerin des letzten Turnus hat ihre persönlichen Erfahrungen zu Papier gebracht:

Nach meinem langen aktiven Berufsleben wurde es mir sehr bewusst, meiner Sehnsucht nach dem eigenen „Wachsen“ zu folgen, um meinem Leben mehr Tiefe zu geben. Deshalb entschied ich mich, die Palliativ-Spirituelle Fortbildung in vier Bausteinen im Domicilium zu besuchen.

Es gab schon viele Abschiede von mir lieben Menschen, die auf ihre sehr unterschiedliche Weise gegangen sind. Dann war es die längere Pflegezeit und schließlich der Tod meiner Eltern, der viele Fragen aufgeworfen hat: Wie erleben Menschen ihr eigentliches Ziel am Ende des Menschseins? Was geht vor sich in den letzten Stunden des Lebens? Kann ein Mensch sein Leben „verbessern“ im Angesicht des nahen Endes? Welche Unterstützung brauchen die Angehörigen, die der Sterbesituation oft ängstlich, manchmal hilflos ausgeliefert sind? Wie kann man einfach Da-Sein für Menschen, die sonst alleine, verlassen sterben?

Die Palliativ-Spirituelle Fortbildung verteilte sich auf folgende vier Wochenenden/Themen:

„Achtsam und empathisch kommunizieren“ inklusive eine Tages-Symposium „Das Leben hören“.

Wir sind eine große Gruppe von interessierten TeilnehmerInnen, Ehrenamtlichen, Pflegenden, Angehörigen und Betroffenen, die sich auf das große Thema einließen. Voraussetzungen für den Prozess der Begleitung sind Offenheit, Achtsamkeit, Respekt, Einfühlungsvermögen und liebevolle Zuwendung, eine Liebe zu den Menschen.

„Abschiedlich leben“ mit Katharina Rizzi.

Ich erlebte die Konfrontation mit meiner eigenen Endlichkeit und die Bereitschaft, mein Leben anzuschauen, wesentlich zu werden und zu akzeptieren, dass am Ende die Welt auch ohne mich weitergeht. Dieses Wochenende schenkte mir eine tiefe innere Berührung und mir wurde deutlich, was es heißt ein wahrer Mensch zu werden. Das Sterben meiner Eltern war mir wieder so nahe und beschäftigte mich sehr.

„Verbindung von tibetisch-buddhistischen Ansätzen mit der modernen westlichen Medizin in der Sterbebegleitung“ mit dem Team um Dr. Guido Pfeiffer.

Das Miterleben von Erfahrungen einer palliativen Station und der buddhistischen Herzenszugewandtheit gab Einblicke in einen außergewöhnlichen medizinischen Alltag; das Kennenlernen von tibetisch-buddhistischen Ritualen um den Sterbeprozess hat mich sehr angesprochen.

„Ohnmacht und Hingabe“ mit Richard Stiegler

Eine tief sitzende Angst holte mich ein, die Konfrontation mit Situationen, in denen ich mich selbst hilflos und ohnmächtig gefühlt habe. Aber das ist notwendig. Der Eigenblick – „was geht in mir vor?“ Das Offenbleiben für die Liebe. All das führt für mich zu dem Vertrauen ins Leben in seiner Ganzheit. Das war meine berührendste Erfahrung.

Durch diese Fortbildungswochenenden habe ich erfahren, wie hilfreich es ist, sich mit dem Tod zu konfrontieren, wie mit anderen Ängsten auch. Der Tod darf nicht verleugnet werden, das engt ein, verwischt und stumpft das Innenleben ab. Dem eigenen Tod ins Gesicht zu schauen, das macht das Leben ergreifender, kostbarer und vitaler. So werden wir unserer eigenen Sterblichkeit bewusst. Die Entwicklung von Achtsamkeit und Wertschätzung sterbenden Menschen und deren Angehörigen gegenüber, die Auseinandersetzung mit den eigenen Verlusten und dem Sterben, das braucht m.E. eigene Abschieds- und Grenzerfahrungen.

Letztlich habe ich das Geschenk meiner Eltern verstanden, mich teilhaben zu lassen an dem Ende ihres Lebens. Ich erinnere mich an das offene Grab, an einen kalten, nassen, unwirtlichen Vorfrühlingstag, beim Versenken der Urne mit der Asche meiner verstorbenen Mutter. Über uns traurigen Menschen saß eine Amsel in einer winterlich kargen Buche und sie sang so klar, so ausdauernd und so fröhlich – sie freute sich ihres Vogel-Daseins. Und sie tröstete uns mit ihrem Gesang. Wenn ich heute das Singen einer Amsel höre, ist das ein Gruß der „Gegangenen“.

Steh mir bei, wenn das Licht erlischt
und die Lieder leise verklingen.
Steh mir bei, wenn die Kraft erlahmt
und der Gedankenreigen still steht.

(Anonymer Verfasser)

Pressekontakt

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Katarina Benesch

ffentlichkeitsarbeit

Telefon:08020-904851
E-Mail:meditationshaus@domicilium-weyarn.de

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